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Bootsbautagebuch

Herbst 2007:
Bei einer Runde köstlichen, dunklen Hefeweizens (und Apfelsaftschorle) kommt die Frage auf: “Wat macht ein Wikinger ohne Boot?” … “NIX!”
Daraus entsteht die Idee – die uns an diesen Punkt und zu dieser Website hier führt …

Winter 2007/2008:
Nach nicht allzu langer Suche finden wir den Holzhändler/-fäller unseres Vertrauens, welcher uns die Lieferung von Eichenholz bis zum nächsten Winter zusichert. Die Problematik der in der Eiche enthaltenen Gerbsäure (da diese Eisen angreift und somit unsere Eisenniete gefährdet) wollen wir durch wochenlanges Wässern lösen.

September 2008:
Für die Herstellung unserer Ruderriemen benötigen wir ein langfaseriges, standfestes Holz. Die Wahl fiel auf eine heimische Esche, welche auch prompt durch den Amtmann zu Siersberge höchstpersönlich den Tod im tiefen Walde zu Siersburg fand.

Oktober 2008:
Beginn des Riemenschnitzens

Dezember 2008:
Kiellegung in der Werft/Lagerhalle 2 des Bruder Jupp.
Feldversuch 1: Bedingt durch die niedrigen Außentemperaturen kommt es mit unserem PUR-Leim zu Komplikationen -> kurz gesagt: et babbt nit!
Feldversuch 2: Unter Zuhilfenahme von 20l Heizöl und einer fleißigen Turbo-Biene erreichen wir die nötigen 18-20°C Verarbeitungstemperatur und siehe da: et babbt!
Infolge der gewonnenen Erfahrungen legen wir im wahrsten Sinne des Wortes den weiteren Bootsbau auf “Eis”, solange keine Außentemperaturen von mind. 10°C herrschen.

Januar 2009
Immer noch herrscht die Eiszeit. Ergo ist “Riemenschnitzen” angesagt – dat wärmt auch fein von innen nach außen.

Februar 2009
Noch immer kein Ende der Kältewelle in Sicht … mehr oder minder frustriert wird weiter an den Riemen geschnitzt.
Am 15. Februar fahren wir zur Wikinger-Ausstellung nach Speyer. Leider herrscht hier Fotografierverbot – also alles gut ansehen und merken! Vielleicht lässt sich über die Museumsverwaltung ein gesonderter Termin machen, an dem wir auch Fotos machen dürfen, verraten uns die freundlichen Museumsangestellten …
Alles in allem ein interessanter, aufschlussreicher Tag.
Ende Februar sind die Temperaturen endlich im guten Plusbereich und wir können unseren Vordersteven verleimen. Endlich sehen wir einen Fortschritt.

März/April 2009
Nun geht es an die Plankung. Zuerst falzen wir die Planken, damit wir das Kompressionsband zum Abdichten nicht sichtbar einbringen können.
Beim ersten Versuch, die Planken anzubringen, müssen wir einen herben Rückschlag in Kauf nehmen. Die Winkelung des Rumpfes im mittleren Kielbereich ist viel zu flach, darum können wir die Planken nicht ausreichend verwinschen. Ein Planungsfehler ganz zu Anfang – hoffentlich macht das den Traum vom Boot nicht zunichte …
Im April fahren wir darum erneut nach Speyer zur Wikingerausstellung, um uns vor Ort nochmal ganz genau das nachgebaute Boot anzusehen. Mit neuen Eindrücken und Ideen kehren wir zurück. Die Hoffnung stirbt zuletzt!

Mai/Juni 2009
Ende April, Anfang Mai sind wir auf den Köhlertagen zu Siersburg. Hier fangen wir mit unserem Mast an. Mit einfachsten handwerklichen Mittel wird eine Kiefer von der Rinde befreit, besäumt und in Form geschält.

Vom 21. bis 23.05. finden die ersten Bootsbautage an der Werft in Siersburg statt. Mit der Hälfte der Besatzung verteilt auf die Tage gelingt es uns die ersten Plankengänge anzubringen (Jubel). Dabei müssen wir feststellen, daß uns noch viel, viel Arbeit erwartet, denn die Niete werden im Abstand von 10 cm an der Planke gesetzt.

Ende Juni bringen wir den 8. und vorletzten Plankengang an. Mittlerweile sind ca. 1250 Niete verarbeitet. Es werden wohl noch annähernd 500 Nägel folgen, die in die Spanten getrieben werden.

Ein hartes Stück Arbeit ist geschafft!!! Auf die Form des Bootes haben wir am Schluss keinen Einfluss mehr, die Breite wächst von 1,70m auf 2,10m. Das bringt mehr Wasserverdrängung und mehr Platz.

Juni/August 2009

Auf den Mittelaltertagen Siersburg  wird das Seitenruder grob in Form
gebracht und die Riemenaugen angefertigt. Nach einer gelungen Präsentation auf der Burg beginnen wir in der Werft die Spanten und Querbiten anzufertigen und einzupassen.

September/Oktober 2009

Nach dem das Innenskelett fertig ist, wird die Reling mit den Riemenaugen
angebracht und befestigt. Nun können auch unsere Runenmaid und die Farvemaid beginnen, auf der Reling folgenden Spruch in Runen zu übersetzen und einzubrennen:

Dort treffe ich dann meinen Vater.
Dort treffe ich dann meine Mutter,
meine Schwestern und meine Brüder.
Dort treffe ich dann all jene Menschen meiner Ahnenreihe,
von Beginn an.
Sie rufen bereits nach mir.
Sie bitten mich meinen Platz zwischen ihnen einzunehmen,
hinter den Toren von Valhalla,
wo die tapferen Männer für alle Ewigkeit leben!

Währendessen geht der Innenausbau weiter. Sitzbänke, Vorder-, Achterdeck und die Schottdeckel werden zusammengebaut und angepasst. Zwischendurch wird das Seitenruder, die Pinne und der Anschlag für das Seitenruder fertig gestellt und montiert.

Zum guten Schluss wirde das Boot von innen und außen mehrfach geölt. Die letzten Arbeiten werden in der zweiten Oktoberwoche abgeschlossen.

Der krönende Abschluss unserer Arbeit ist am 31.10.2009 die Jungfernfahrt mit der gelungenen Weihe des Bootes auf den Namen “Skumrytter”.

Bei der anschließenden Zurwasserlassung stellen wir fest, dass sich unsere
Mühe gelohnt hat. Das Boot ist dicht und schwimmt. Die erste Fahrt mit kleiner Besatzung (8 Mann) läuft gut von statten, und die anschließende Fahrt mit Vollbesatzung (13 Mann) zeigt, dass die Skumrytter auch der großen Belastung stand hält.